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Der Satz, der für Tumult sorgte
Ausgelöst wurde die Diskussion durch ein Interview, das ich analysiert habe. Die eine Seite sagte sinngemäss: „Ich glaube meinen Klienten nicht alles, was sie mir sagen, ich hinterfrage das.” Die andere hielt dagegen, dass wir unseren Klient:innen natürlich glauben, weil das doch zum empathischen Zuhören gehört. Aus diesem Hin und Her ist ein Video entstanden – und mit ihm eine Reaktion: Das sei doch respektlos, wenig achtsam, fast lieblos.
Ich verstehe die Reaktion. Und trotzdem ist das Gegenteil der Fall.
Warum „glaube nicht alles” nichts mit fehlendem Mitgefühl zu tun hat
Dieser Satz kommt nicht aus fehlendem Mitgefühl. Er kommt aus einer Erkenntnis: Wenn wir unseren Klient:innen alles glauben, was sie uns erzählen, drehen wir uns genauso in ihrem Symptomkreis wie sie selbst. Noch heikler wird es, wenn wir das präsentierende Problem für die Wahrheit nehmen und darauf ein ganzes Konstrukt aus Techniken, Vorgesprächen, Rapport und Induktionen setzen. Dann steht viel Aufwand auf sehr wackligen Beinen.
Die meisten von uns sind Therapeut:innen, Hypnotiseur:innen oder Coaches geworden, weil wir gut zuhören können und Menschen unterstützen wollen. Diese Fähigkeit bleibt. Sie verlagert sich nur auf eine andere Ebene – feiner, intuitiver, aufmerksamer für das, was zwischen den Zeilen liegt.
Was dein Klient dir schildert, ist seine beste Vermutung
Ein Gedanke verändert dabei fast alles:
„Was dein Klient dir sagt, ist seine beste Vermutung, was das Problem sein könnte.”
Du gestehst deinem Gegenüber vollständig zu, dass sein Problem aus seiner Sicht real ist, einen Schmerzpunkt hat, das Leben einschränkt – sonst wäre er ja nicht zu dir gekommen. Und gleichzeitig weisst du innerlich: Das ist noch nicht der Kern. „Ich höre dir zu. Ich nehme dich wahr. Und ich weiss, dass das, was du mir erzählst, noch nicht das wirkliche Problem ist.” Das nimmt Druck – dir und deinem Klienten.
Warum Vorbereitung auf einer Vermutung selten trägt
Viele Ausbildungen sagen zwar, das präsentierende Problem sei nicht das eigentliche – und bauen den Veränderungsplan dann doch darauf auf. Immer gleich: Vorgespräch, Rapport, „darf ich dich hypnotisieren?”, Induktion, noch tiefer. Doch das alles ergibt wenig Sinn, solange wir gar nicht wissen, worum es wirklich geht. Auf einer blossen Vermutung lässt sich schwer etwas Nachhaltiges vorbereiten. Und genau deshalb kommen Klient:innen manchmal immer wieder mit demselben Thema zurück.
Anders zuhören – auf Augenhöhe statt in die Tiefe schieben
In der Gesprächshypnose geht es nicht darum, den Klienten mit Umkehrfragen, systemischen oder lösungsorientierten Fragen irgendwohin zu schieben, damit er das Symptom durchschaut. Es geht darum, dass er sein Problem auf seine ganz individuelle Art erkennt, entschlüsselt und dadurch verändern kann. Natürlich, im Gespräch, mit offenen Augen – so, wie zwei Menschen einander gegenübersitzen. Entspannung mit geschlossenen Augen ist schön, aber das ist eher Wellness. Veränderung auf Augenhöhe ist etwas anderes.
Bei medizinischen Themen wie Trauma, Schmerz oder psychosomatischen Beschwerden gehört für mich immer auch die vorgängige Abklärung mit dem Hausarzt zwingend dazu.
Dein Klient kennt den Weg
Das Schöne an diesem Zugang: Du musst deinem Klienten nicht die Treppe bauen, über die er herauskommt. Er kennt den Weg oft selbst. Das nimmt dir Kopfzerbrechen und Vorbereitung ab und gibt dir Freiheit zurück – und deinem Klienten Selbstwirksamkeit. Viele Teilnehmende meines Trainings melden zurück, dass sie nach dieser Erfahrung nicht mehr zu schematischem Vorgehen zurückkehren möchten.
Wenn du erleben möchtest, wie sich dieses andere Zuhören anfühlt, kannst du dir eine kostenlose Demo Session ansehen und dich unverbindlich auf die Warteliste für das nächste Live online Training eintragen.
Video:
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