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Ich sage meinen Teilnehmenden im Gesprächshypnosetraining immer: „Werde zur faulen und dummen Therapeutin.” Das klingt provokativ. Ich meine es ernst. Und genau das ermöglicht die schnellsten, selbstwirksamsten und nachhaltigsten Durchbrüche mit Klienten – die viele bis dahin noch nie so erlebt haben.
Aber fangen wir von vorne an. Mit der Frage, die eigentlich niemand laut stellt: Woher kommt Widerstand in der Therapie wirklich?
Du hast alles gelernt – und trotzdem sitzt du da
Vielleicht kennst du das. Systemisches Coaching, somatische Arbeit, Traumatherapie, Somatic Experiencing, Hypnoseausbildungen jeglicher Couleur, NLP, The Work, Reiki – Ordnervoll mit Wissen, Workbooks, mehr Zertifikate als an deine Wand passen.
Und trotzdem sitzt du manchmal nach einer Sitzung da und denkst:
„Hat das gereicht? War das gut genug? Hätte ich vielleicht doch eine andere Technik wählen sollen?”
Und dann kommt die nächste Frage: War der Klient nicht bereit? Konnte er sich nicht entspannen? Hat er zu sehr die Kontrolle behalten wollen?
Das ist die Erklärung, die am häufigsten gebracht wird. Aus meiner Sicht liegt sie meistens falsch.
Widerstand in der Therapie entsteht nicht beim Klienten
Wenn du als Therapeutin einen Plan hast – eine Technik, ein Protokoll, einen Lösungsweg – dann spürt das dein Klient. Nicht bewusst, aber es ist spürbar.
„Die will irgendwohin. Bewusst oder unbewusst. Und das verursacht bewusst oder unbewusst Widerstände.”
Der Klient ist nicht schwierig. Er will sich nicht sperren. Aber niemand möchte fremdgesteuert werden. Und genau das passiert, wenn wir versuchen, jemanden in eine Regression zu drücken, in eine Induktion, in eine Technik, in den Körper zu zwingen.
„Es lag viel mehr am Therapeuten, der versucht hat, den Klienten in diese Regression zu drücken, in diese Induktion zu drücken, in diese Technik zu drücken.”
Das ist unbequem und trotzdem extrem wichtig zu erkennen, weil es einen einfacheren Weg gibt, der Widerstand gar nicht erst aufkommen lässt und dadurch wesentlich schneller, selbstwirksamer und nachhaltiger wirken kann.
Was Gesprächshypnose wirklich ist – und was nicht
Gesprächshypnose, wie ich sie lehre, ist das Gegenteil von dem, was die meisten vermuten.
Es gibt keine Induktionen, keine Suggestionen, kein Skript, keine eingebetteten Befehle, keine Sprachmuster, kein „Schließe bitte deine Augen”, keine systemischen Fragen, die du auswendig lernen musst, keine Reframes, keine Interventionen, kein fixes Vorgehen.
Stattdessen: ein Gespräch auf Augenhöhe. Zuhören. Wahrnehmen. Ohne bereits im Kopf den Lösungsweg, die Technik, die nächsten Schritte memorisiert zu haben.
„Wirkliches Zuhören lernst du in der Gesprächshypnose – und es geht nicht darum, einen Plan, eine Intervention, ein Protokoll im Kopf zu haben, sondern dieses dumme Zuhören. Nicht wissen, was kommt. Das Problem nicht verstehen wollen. Nicht schlussfolgern. Nicht vermuten.”
Was „faul und dumm” wirklich bedeutet
Faul bedeutet: nichts tun. Und nichts tun bedeutet auch – nicht im Kopf zu denken: Jetzt müssen wir noch diese Jahre zurück, stell dir das vor, gib dem eine Farbe, atme in den Bauch.
Wir machen nichts. Wir weisen nichts an. Wir geben keine Ratschläge. Wir wissen nicht, wo die Lösung ist.
Dumm bedeutet: kein vorgefertigter Plan. Keine Vorbereitung auf die Session. Kein „Das sind Schmerzen, ich nehme das Schmerzmanagement-Protokoll.” Wir überlegen nicht, welche vergangene Verletzung die definitive Ursache sein könnte. Wir müssen keine bestimmten Glaubenssätze verändern, keine richtige Erkenntnis herbeiführen, keine Emotion erzwingen.
„Indem du dieses Wissen zwar hast, aber in dem Moment, wo du zuhörst, loslässt – ermöglichst du deinem Klienten, es selbst zu lösen oder selbst den Weg zu gehen.”
Was dann passiert
Wenn du nichts weißt und nichts willst und keinen Weg vorspurst, dann passiert etwas Faszinierendes.
Das System deines Klienten – das Unterbewusstsein, das ganze System – kann sich entspannen. Es können sich Türen öffnen, die vorher nicht geöffnet werden konnten, weil der natürliche Widerstand da war.
„Das erspart deinem Klienten extrem viel – und dir genauso viel. Weil diese Veränderung manchmal in einem Bruchteil einer Sekunde ermöglicht wird. In einer Erkenntnis. In der Stille. Oder in was auch immer da passiert.”
Das Feedback, das Teilnehmende dann von ihren Klienten hören:
„Ich bin so dankbar, dass du mir zugehört hast. Das hat mehr gebracht als x Jahre Therapie, als zehn Sitzungen bei meiner Psychologin, als alles, was ich vorher versucht habe. Ich bin dort noch nie so hingekommen.”
Das Allerschwierigste
Dieses Loslassen ist gleichzeitig das Schwerste im Gesprächshypnosetraining. Dieses Nichts-wollen und Nichts-wissen. Nicht weil es kompliziert ist – sondern weil wir so trainiert wurden, das Gegenteil zu tun.
Es ist eine Haltung. Und Haltung lernst du nicht aus einem Buch, nicht in einer Theoriestunde, nicht in einer Schritt-für-Schritt-Abfolge.
Du lernst sie, indem du es selbst erlebst und dadurch erst wirklich glauben und erfassen kannst.
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